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2020. Messe Nord / ICC Berlin.

2020. Messe Nord / ICC Berlin.

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an meine Prüfung im Sicherheitsgewerbe.

Was mich damals schon ein wenig aufgeregt hat, beschäftigt mich heute wieder – allerdings aus einem ganz anderen Blickwinkel. Denn als angehende Sicherheitskraft wurde von uns nicht einfach nur erwar...

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Was mich damals schon ein wenig aufgeregt hat, beschäftigt mich heute wieder – allerdings aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Denn als angehende Sicherheitskraft wurde von uns nicht einfach nur erwartet, dass wir wissen, wie man einen Eingangsbereich absichert oder sich in bestimmten Situationen richtig verhält.

Recht gehörte ausdrücklich zu unserer Qualifikation.

Mein Abschlusszeugnis aus dem Jahr 2020 führt unter anderem die „Anwendung von Rechtsgrundlagen für Sicherheitsdienste“, das „situationsgerechte Verhalten und Handeln“ sowie die Beachtung des rechtlichen Handlungsrahmens auf.

Und für diese Prüfung mussten wir lernen. Nicht nur ein bisschen.

BGB, StGB, StVO und weitere für unsere Tätigkeit relevante Rechtsgrundlagen mussten wir kennen und anwenden können.

Ich erinnere mich noch ziemlich genau an die Prüfung selbst:

Hilfsmittel gab es für uns keine.

Auf unserem Tisch lagen ein Lineal, Stifte und ein Schmierblatt für eigene Überlegungen. Dieses Schmierblatt musste anschließend ebenfalls abgegeben werden.

Kein Gesetzbuch.
Kein Nachschlagen.
Kein Handy.
Keine sonstigen Hilfsmittel.

Wir bekamen Sachverhalte und mussten diese aus dem Kopf rechtlich einordnen, die entsprechenden Paragraphen benennen, relevante Tatbestandsmerkmale herausarbeiten und unsere Überlegungen schriftlich begründen.

Das Wissen musste in diesem Moment in unseren Köpfen sein.

Und genau deshalb ist mir eine Situation aus derselben Zeit bis heute im Gedächtnis geblieben.

Während wir Sicherheitskräfte unsere rechtlichen Grundlagen ohne Hilfsmittel beherrschen und anwenden mussten, durften die angehenden Anwälte und Richter, die sich zeitgleich dort auf ihre Prüfungen vorbereiteten, nach meiner damaligen Wahrnehmung ihre Gesetzesbücher verwenden.

Und schon damals fragte ich mich:

Warum eigentlich?

Natürlich sind die Prüfungen und Ausbildungswege nicht miteinander gleichzusetzen. Das möchte ich überhaupt nicht behaupten.

Aber der Unterschied hat mich trotzdem beschäftigt.

Denn von einer Sicherheitskraft wird erwartet, dass sie ihre rechtlichen Befugnisse und Grenzen kennt.

Und das ist auch richtig so.

Wer Menschen kontrolliert, Hausrechte durchsetzt, ihnen den Zutritt verweigert oder in bestimmten Situationen eingreifen muss, sollte wissen, was er darf – und vor allem, was er nicht darf.

Genau deshalb lernen wir die rechtlichen Grundlagen.

Aber wenn ich heute auf manche Entwicklungen im Justizbereich schaue, muss ich wieder an diese Prüfung zurückdenken.

Denn irgendwann stellt sich für mich eine andere Frage:

Was passiert mit diesem Wissen, wenn die Prüfung vorbei ist?

Bleibt die notwendige Sorgfalt bestehen?

Wird weiterhin nachgeschlagen, geprüft und hinterfragt?

Werden Paragraphen tatsächlich so sorgfältig angewendet, wie es von jemandem zu erwarten wäre, der beruflich mit den Rechten anderer Menschen arbeitet?

Oder entsteht irgendwann eine Routine, bei der Akten abgearbeitet, Schriftsätze übernommen und Entscheidungen getroffen werden, ohne jeden Sachverhalt noch einmal kritisch zu hinterfragen?

Ich weiß es nicht.

Aber genau deshalb stelle ich diese Fragen.

Denn ich habe damals gelernt:

Ein Paragraph ist nicht einfach eine Zahl, die man in einer Prüfung hinschreibt.

Hinter jedem Paragraphen stehen Voraussetzungen.
Tatbestandsmerkmale.
Grenzen.
Rechte.
Pflichten.

Und vor allem stehen dahinter Menschen.

Menschen, für die eine falsche rechtliche Einordnung nicht nur ein Fehler auf Papier sein kann.

Sie kann über Geld entscheiden.

Über Eigentum.

Über die berufliche Existenz.

Über Familien.

Über Freiheit.

Und manchmal sogar darüber, ob sich ein Mensch von einem System gehört oder völlig übergangen fühlt.

Vielleicht sollten wir deshalb weniger darüber diskutieren, wer ein Gesetzbuch während einer Prüfung auf dem Tisch liegen haben darf.

Und mehr darüber, ob diejenigen, die später täglich mit diesen Gesetzen arbeiten, auch nach ihrer Prüfung noch bereit sind, sie wirklich sorgfältig zu lesen.

Denn mein Gesetzbuch durfte damals während der Prüfung geschlossen bleiben.

Das Wissen musste in meinem Kopf sein.

Heute frage ich mich manchmal:

Was passiert, wenn das Gesetzbuch zwar geöffnet auf dem Tisch liegt – aber trotzdem niemand mehr richtig hinsieht?

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